Mit unserem Kia Soul EV war ich jetzt mehrmals in der Nähe von Mainz in einer eBike Spezialwerkstatt. Seit 7 Jahren habe ich ein eSpire eBike und das hat dieses Jahr geschwächelt. Eine einfache Strecke sind jedesmal über 350km. Das fahre ich mit einem 30kWh Akku mit CHAdeMO Schnelllademöglichkeit bis 65kW.

Auf Strecke, speziell Autobahn, zieht der Luftwiderstand deutlich am Akku. Meist nutze ich den Tempomat auf 118km/h und fahre etwas gemütlicher als in meinen vorherigen PS-Bombern. Mein Thema bei der Rückfahrt war aber: Kostenlos fahren!

Am Vorabend der Rückfahrt habe ich mich mit einem Twitter-Kollegen und einem der ersten 8 Harley-Davidson-Mitarbeitern in Deutschland getroffen. Er nannte mir den kostenlosen 22kW Lader beim Bäcker Dries in Rüdesheim. Während des Abendessens in einem nahen Lokal wird der Akku kostenlos aufgeladen, bis etwa 88%. Danach fahre ich 20km nach Walluf ins Hotel.

Morgens starte ich um 09:15 Uhr bei 7° Aussentemperatur, laufender Wärmepumpenheizung und mit 84% bei einer Reichweiten-Anzeige durch das Guess-O-Meter (GOM) von 146km. Mein Ziel ist der kostenlose Ökostrom Schnelllader bei der Gemeindeverwaltung in Kandel. Bis dahin sind es 133km Fahrtstrecke.
Da sind ja 15km Reserve. Bei meinen ersten Fahrten hätte mich das total nervös gemacht, jetzt ist es allerhöchstens spannend. Ich weiss, dass in Kandel 2 Schnelllader stehen, ist einer defekt oder besetzt sind es nur 500m bis zum nächsten.

Kurz vor 11:00 Uhr erreiche ich den freien Schnelllader mit einer GOM Anzeige von 17km. Im Akku sind noch 11% drin.

Er hat schon länger angefangen zu warnen. Jedenfalls stehe ich am CHAdeMO Schnelllader und der Bordcomputer mit den alten NAVI-Daten zeigt die nächste Ladestation in 13km Entfernung an. Die Navidaten von Kia sind eine Schande. Um für ein Elektro-Auto die Strecken zu berechnen und eine Routenplanung zu machen, empfehle ich die goingelectric.de.

Auf diese Community-Daten setzt die App Next Plug auf. Diese nutze ich am Handy, suche den nächsten passenden Schnelllader und lasse mich dorthin navigieren. Toll ist, dass der Kia Soul EV das Android Auto unterstützt und die Google Maps als Navigation nutzen kann. Sehr einfach zu bedienen, toll vernetzt und übersichtlich.

Ich gehe zu einem späten Frühstück und suche mir ein elsässisch geprägtes Café. Dort gibt es Rührei mit Schinken und einen grossen Kaffee für mich. Das Auto nimmt sich grosse Schlucke aus dem 50KW Gleichstrom-Lader. Nach 38 Minuten bin ich zurück und das Auto ist am Ladelimit von 94% angekommen. Der nächste kostenlose Schnelllader den ich auf dem Rückweg kenne, ist an der BAB 5, kurz vor Freiburg, der einseitige Rastplatz Schauinsland. Bis dahin sind es 138km und ich kann nach Anzeige 168km fahren. Ich fahre dazu ein Stück auf der B9 und der A53 auf der französischen Seite. Hier ist kaum Verkehr und ich stelle den Tempomat auf 118km ein.

Einige coole Sender im DAB+ Radio später bin ich um 13:34 auf dem Rastplatz angekommen. Der Akku hat noch 20% und es stehen noch 32km Restreichweite zur Verfügung.

Ziemlich genau das, was am Anfang auch als Überschuss (168km - 138km) angezeigt wurde. EIne gute Zeit für einen Kaffee und ein bisschen social media in der Sonne. Ich betrachte das hektische Tanken der Verbrenner. Wie einfach ist es doch nur einzustecken und sonst nichts tun zu müssen. Ich kann sofort weglaufen und meinen espresso ordern, Plunderstückchen aussuchen und in die Sonne sitzen. Da es sich um einen kostenlosen Lader handelt, fällt auch der Bezahlvorgang weg.

Nach 37 Minuten und 23kW neuen Elektronen fahre ich die restlichen 80km über Schauinsland und den Notschrei hoch in den Hotzenwald.

Es hat also geklappt. Nicht ganz voll bin ich losgefahren und habe einmal in Kandel und einmal kurz vor Freiburg nachgeladen. Zuhause angekommen lade ich morgen während Sonnenschein aus der Photovoltaik-Anlage und dem Batteriespeicher schön langsam auf. Ich bin etwa 350km von Rüdesheim in den Hotzenwald gefahren, ohne einen Cent für Strom auszugeben.