Klar kann man heute schon voll elektrisch fahren. Aber Langstrecken auch ? Geht das nur mit Teslas ?

Wichtig ist auf jeden Fall eine Schnellladefunktion für das Elektroauto. Je schneller es lädt, umso kleiner kann der Akku sein. Wichtig ist dann noch ein Thermomanagement für den Akku, damit dieser nach einer Autobahnfahrt nicht zu heiß ist um wieder zügig Ladung aufnehmen zu können. (Google: #Rapidgate).

Ich starte im Südschwarzwald, nahe der Schweizer Grenze um mein eBike bei einem Spezialisten abzuholen, der nahe der Schiersteiner Brücke seine Werkstatt hat. Das sind dann über 700km hin und zurück.

Das GOM (Guess_O_Meter: Reichweitenanzeige) zeigt morgens um 9.00 bei Abfahrt 201km an. Ich fahre um den Feldberg herum und durch das Höllental über Freiburg anch Appenweiher an der A5 zum Schnelllader. Der Kia Soul EV hat einen Gleichstromlader System CHAdeMO und kann mit 65kW in den 30kWh Akku drücken. Die meisten Lader geben aber nur 50kWh her.

Batterieelektrische Autos, und der Kia Soul ganz besonders, können rekuperieren. Das heisst im Schubbetrieb wird Energie erzeugt und in den Akku zurückgespeichert. Die meisten haben ein Limit für die Rekuperation, der Soul EV kann bis zur Nennleistung des Elektromotors auch wieder zurückspeichern.
Das führt dann dazu, dass ich in Feldberg-Bärental noch 176km Restreichweite und in Freiburg noch 156km Restreichweite habe. Es geht im Wesentlichen bergab, von den Höhen des Hotzenwaldes runter in die Rheinebene. 


Auf dem Rastplatz in Appenweiher bin ich 139km gefahren und habe noch eine Restreichweite von 87km. Am CHAdeMO der EnBw lade ich in 24 Minuten 15kWh mit der Maingau ESL-Karte und bezahle dafür 1,30 Euro. Grob überschlagen waren das dann 1ct/km "Spritkosten".

Als Ladeweile wird bezeichnet, was während des Ladens so gemacht werden kann. Das können Spaziergänge, Besichtigungen oder ein Espresso sein.

Weiter gehts mit einer GOM-Anzeige von 186km und einem Akkustand von 88% nach dem 145km entfernten Lorsch. Auf der Autobahn lasse ich es laufen und die Box-Form des Kia Soul EV saugt dann über den Luftwiderstand am Akku. Mit 28km Restreichweite und einem Akkustand von 18% komme ich dort an.
Hier lade ich in 34 Minuten 24kWh zum Preis von 1,90 Euro.

Ich habe bis zum Schnelllademaximum von 94% laden lassen weil ich ein interessantes Gespräch am Auto hatte. Zwei Paare wollten alles wissen und haben mir ein Loch in den Bauch gefragt. Es ist schlimm, was unsere Presse an Ängsten bei den Lesern erzeugt.

Apropo Reichweitenangst, ich fahre alleine und lass es diesesmal bewusst drauf ankommen, den Akku ziemlich auszunutzen. Ich will ein Gefühl dafür bekommen, wie die Reichweitenanzeige sich verhält. Bei meinem alten Diesel-VW war es so, dass am Schluss die Reichweitenanzeige oft pro 5 gefahrenen Kilometern um 20km zurückgegangen ist. Hier im elektrischen Soul ist es so, dass ich die Restweg-Anzeige des Navigationssystems mit der Reichweitenanzeige des GOM abgleiche. Sinkt das "Guthaben", fahre ich auf der Autobahn etwas langsamer und fahre somit wieder etwas Restreichweite rein. Es ist ein grosser Unterschied feststellbar, ob ich 130km/h oder 110km/h fahre. 
Jedenfalls ist es so, kommt die Reichweitenangst auf, fahre ich langsamer und automatisch entspannt sich die Lage wieder.

Am Ziel in Walluf lade ich mein eBike ins Auto und fahre über die A60 und die Schiersteiner Brücke nach Mainz ins Gutenberg-Center in die Haifa-Allee. Dort steht eine Fastnet Ladesäule die von Allego betrieben wird. Ich nehme wieder meine Maingau-Energie Ladekarte. Ich bin um 16:20 mit einem Rest von 90km angekommen, bleibe 30min stehen und als ich vom Snack zurückkomme war der Akku schon bei 94% und der Ladevorgang war fertig.

Um 16:50 fahre ich los mit dem Ziel Kandel. Dort steht bei der Sparkasse ein kostenloser Schnelllader der Pfalzwerke der Ökostrom abgibt. Wäre der nicht frei, gibt es bei der Gemeindeverwaltung eine zweite Ladestation, auch kostenlos. Woher ich das weiss und wie ich das plane ?

 

Ich nutze dazu verschiedene Apps. Der Autostrom-Anbieter Maingau-Energie hat seine EinfachStromLaden App mit Ladestationsverzeichnis und Kartenfunktion. Das selbe gibts von EnBW . Am liebsten ist mir die NextPlug App. Diese nutzt die Community-Daten von GoingElectric.de und stellt sehr viele Informationen rund um die Ladesäulen zur Verfügung. Sowas wie detaillierte Anfahrtskizzen und Infos zur Ladeweile: Wie verbringe ich meine 20-30 Minuten Wartezeit.

 

In Kandel spendiert mir die Pfalzwerke ein Ladung von 29% auf 94%. Weil ich noch ein Eis essen war bin ich 36 Minuten gestanden und habe 21kWh dazugeladen.  Bei der Abfahrt zeigt das GOM 182km an, wobei es bis nach Hause noch 225km sind. Jetzt will ich den Akku mal stressen und fahre zügig, denn ich muss ja eh nochmal zwischenladen. 

An der Raststätte Schauinsland komme ich dann planmässig mit einem Akkustand von 13% und einer Restreichweite von 17km an. Spannend, aber überhaupt kein Problem. Das Auto informiert ausreichend dazu. Am Rastplatz helfe ich einem belgischen Pärchen bei der Reparatur des Scheinwerfers mit Werkzeug aus und fahre mit neuen 25kWh los auf den Berg.

Ich nehme die Strecke über den Notschrei, Todtnau und Todtmoos. Zuhause habe ich noch 47% im Akku. Auf der dunklen Bergstrecke habe ich es laufen lassen und knapp 20kWh/100km verbraucht. War ja egal, zuhause kann er ja entweder an der roten CEE oder an der Haushaltssteckdose schön langsam über Nacht laden.

Es hat Spaß gemacht die 705km an einem Tag zu fahren. Leider hatte ich anfangs sehr viel Stau im Höllental, bei Freiburg, bei Raststatt und vor Mainz. Deshalb bin ich auf dem Rückweg dann linksrheinisch und in Frankreich gefahren. Diese Strecke war wesentlich kürzer und ganz ohne Stau.