Unser elektrischer 700km Trip vom Südschwarzwald nach Innsbruck und zurück im Kia Soul EV. Der Kia Soul EV ist kein Reichweitenwunder mit seiner Box-Form und seinem 30kWh Akku. Wir haben ihn seit 4 Wochen und zwischen 190 und 220km kommen wir mit einer Ladung. 


Er wird in der Regel zuhause im Carport an einem KOHNS Kabel mit Controller geladen.

Die Fahrt ist auch als Einweisungsfahrt für meine Frau gedacht, die noch nie einen Schnelllader genutzt hat. Sie fährt und ich mache den Copilot. Das ist mir sehr recht, kann ich dann Notizen machen, das Navi bedienen und am Handy spielen.

Die Vorbereitung

Auf GoingElectric.de trage ich den Kia Soul als Fahrzeug ein und lasse mir die Route berechnen. Als Ladestationen lasse ich nur CHAdeMO zu. Dann drucke ich mir alle in Frage kommenden Ladestationen aus, die auf dem Weg nach Innsbruck liegen. Ich will ja schliesslich auch alle Infos für die Rückfahrt haben. So kommt ein Handbuch mit 19 Ladestationen zusammen. Wir suchen uns Ladestationen aus und wollen dabei kostenlos und mit verschiedenen Ladekarten aufladen.

Start

Beim Start zeigt das GOM (GuessOMeter) bei 98% Akku eine geschätzte Reichweite von 222km an. Wir starten um 11.00 Uhr bei einem Kilometerstand von 2648km

 

Rekuperation

Der erste Stop ist an einer Tankstelle, wir brauchen für das neue Auto eine Vignette um auf schweizer Autobahnen fahren zu dürfen. Dazu halten wir nach 25 Minuten Fahrt an einer Tankstelle in Waldshut an. Der Akkustand ist jetzt 99% und auf den 22km Fahrtstrecke haben wir nur 3km Reichweite eingebüßt.
Das geht im Kia gut, denn er rekuperiert bis zur Nennleistung des Motors. Einmal habe ich -44kW als „Verbrauch“ gesehen. Der Bordcomputer gibt die Strecke mit 2,3kWh/100km an.

 

Reichweitenangst

Um 12:40 sind wir auf der Schweizer Autobahn schon ein ganzes Stück gefahren. Es hat 28°C und die Klimaanlage läuft. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 71km/h. Der Akku ist bei 61% und wir verschieben unsere Ladestation weiter nach vorne. Mit 15.6 kWh/100km zeigt uns das GOM noch eine Restreichweite von 127km und der neue Schnelllader ist 71km entfernt.
Acht Minuten später mosert Heike, weil ich das Handy im Auto auflade…
Um 13:10 zeigt das GOM noch 66km und der Akku hat 32%. Langsam macht sich Unruhe breit, es sind aber nur noch 15km bis zur Ladestation.

 

Erstes Schnelladen

13:25 ist der CHAdeMO Lader in Au an der Gemeindeverwaltung erreicht. Er steht zwischen Bäumen und so bleibt das Auto im Schatten. GOM sagt noch 58km und im Akku waren noch 28%. Bei 25% hätte der Kia angefangen zu warnen. Wir sind bis hierher 172km gefahren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 76km/h. Nach 2:15 kann man schon mal eine Pause machen.
Hier draussen ist es wesentlich wärmer als im Auto.

Heike stöpselt schnell an und wir wollen vor zum Cafe am Kreisverkehr. Oh, das hat Sommerferien und das andere hat Montags zu. Also wieder wie früher zur Tankstelle in Sichtweite. Als wir hinlaufen, sehen wir links einen Post-Shop und fragen lieber dort nach einem Kaffee. Typisch Schweiz, da steht eine Jura Maschine! Trotzdem gehen ich zur Shell um das Pickerl für Österreich zu kaufen.

Um 14:00 kommen wir zurück und das Auto ist schon bis auf 94% aufgeladen. Ein schöner Vorteil des Kia Soul, er lädt am Schnelllader bis auf 94% statt nur auf 80% wie andere Autos. Kurz ausstecken und einmal „Danke“ murmeln für den kostenlosen Strom, dann geht’s weiter.

 

Neues Ziel in Imst, Österreich

Unser nächster Schnellader soll in der Nähe von Imst sein, bei der Unterstufe eines Wasserkraftwerks in Karrösten.

 

Arlbergtunnel

Es ist inzwischen 15:30 und der Akku nimmt durch den Arlbergtunnel beständig ab. Es geht in der ersten Hälfte doch bergauf. Wir haben wenig Reserve, das GOM sagt 60km und das Navi sagt noch 48km bis zum Ziel. Wir fahren meist mit 17kW und im Tunnel ist das Licht an mit 450 Watt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 73km/h, viel mehr geht legal nicht.

Jetzt ist es 15:50 und wir entspannen uns wieder, denn nun geht es leicht bergab. Wir haben noch 19km bis zur Ladestation und das GOM gibt uns noch eine Restreichweite von jetzt 88km. Der Akkustand ist 42% und somit ist klar, es ist alles völlig problemlos. Es lag nur an der konstanten Steigung, dass der Verbrauch etwas hochging.

 

Kostenpflichtig laden

Um 16:15 sind wir angekommen. Inzwischen sind wir 302km gefahren. Die Ladestation in Karrösten ist schön im Schatten unter einem Dach, das an eine Welle erinnert. Das GOM gibt uns noch 65km und der Akku ist bei 34%. Stecker rein und nach 15min haben wir 11kWh in den Akku geladen. Das entspricht den 45kW, die die Säule haben soll. Es sind 26°C Aussentemperatur und wir sind zum 2. Mal am Schnellader. Nach fast 300km Autobahn gibt es elektrische Fahrzeuge, die dann kein Schnellladen mehr zulassen da der Akku zu heiß ist. Der Kia Soul hat eine Akkutemperierung, das heisst, im Sommer wird gekühlt und im Winter wird er geheizt. Damit schmilzt uns die Reichweite nicht und die 30kWh Akku sind dann relativ ehrlich.

Nach 32min ist der Akku wieder bei 94%. Wir haben ziemlich genau 20kWh geladen. Wir haben die Maingau-Karte, auch genannt ESL von Einfach Strom Laden, genutzt. Die Kosten für die 20kWh sind 1,75 Euro und werden in der App direkt angezeigt.

 

Innsbruck, oder ?

Wir haben noch Zeit und nur noch 70km bis Innsbruck. So entscheiden wir, ein kurzes Stück weiter nach Hall in Tirol zu fahren und dort nochmal kostenlos beim LIDL aufzuladen. Dann sind wir in Innsbruck flexibel und auch nicht zu früh dort. Wir laden knapp 10kWh in 20min und erreichen unser Ziel nach 370km. Dafür haben wir 4:50h gebraucht und waren insgesamt 7 Stunden unterwegs. Das heisst jetzt nicht, daß wir 2 Stunden Ladepause hatten, wir haben eigentlich immer etwas länger für unseren Kaffee oder unseren Einkauf benötigt als das Auto fürs Laden. Und wie ihr seht, hätten wir auch bei Aldi einkaufen können, warum nur sind wir zu Lidl ?

 

Erkenntnis:

Laden ist anders als Tanken. Man kommt am Schnellader an, steckt den Stecker rein und kann weggehen. Kein halten der Zapfpistole, kein abschütteln, kein warten an der Kasse und kein eiliges wegfahren, weil der nächste schon drängelt. Wir kommen zurück, ziehen den Stecker, schliessen die Klappe und können weiterfahren. Leise und ohne Diesel an den Fußsohlen. Tankhandschuhe müssen wir auch nicht entsorgen und gekostet hat es fast nichts oder garnichts.

Es ist schön, so leise dahinzugleiten.

 

Die Rückreise von Innsbruck in den Schwarzwald 

Planung und Risiko

Nach ein paar Tagen in Innsbruck starten wir mit 90% Akkustand und GOM 181km ohne Klimaanlage. Wir würden gerne in Bürs an den Kraftwerken aufladen. Das sind noch 130km, aber wir wissen nicht, wie wir den Arlbergtunnel einschätzen müssen. In Bürs am CHAdeMO würden wir dann einmal den NewMotion NFC-Anhänger verwenden. Die lange Steigung im Arlbergtunnel können wir nicht richtig einschätzen. Vielleicht müssen wir vorher am Rastplatz Schnann bei Pettnau am Arlberg zuladen. Im GoingElectric Verzeichnis finde ich keine passende Ladekarte, wenigstens nicht mit meinen Kenntnissen. Smatrics ist ja in Österreich auch nicht so glaubwürdig mit den Angaben, welche Karte akzeptiert wird und welche nicht.

Navi mit altem Stand von 2016

Völlig unnötigerweise lotst uns das Navi von der Autobahn runter, durch den Ort und will über eine gesperrte Brücke zurück auf den Rastplatz. Wir fahren weiter und sehen eine neue Brücke, die wir nach einer Wende auch nutzen können. Die Daten im Navi werden ja vielfach bemängelt, jetzt hat es uns auch getroffen. In Schnann beträgt unsere Restreichweite 87km, aber der Akku hat noch 46% . Eigentlich unnötig zwischenzuladen, aber wir probieren den Lader mal aus.

Kartenspiel

Die Smatrics nimmt natürlich die eigentlich gültige ESL Maingau Karte nicht. Trotzig probiere ich die EnBW Karte aus Baden-Württemberg, aber die geht auch nicht. Jetzt noch ein Versuch mit dem NewMotion-Anhänger und der schält die Säule frei. Sonst wären wir eben weitergefahren.
Wir wollen nur kurz laden, brauchen aber fürs pinkeln und den espresso 26 Minuten. In der Zeit haben wir 16kWh bekommen und der Akku steht bei 89%. Mit diesem Stand fahren wir weiter.

 

Planungen

Mit einer Restreichweite nach GOM von 174 km kommen wir ziemlich nahe an unsere Heimat. Allerdings habe ich in der Schweiz einen CHAdeMO mit 80kW gesehen und den will ich mal ausprobieren. Bis dahin sind es 180km und das wird sehr knapp. Nachdem wir jetzt bezahlt haben für den Strom, suche ich uns den kostenlosen Schnellader beim Lidl in Lustenau raus. Das ist praktisch auf gleicher Höhe wie das schweizerische AU in dem wir bei der Herfahrt geladen haben.

Danke Lidl

Wir kommen um 15:26 in Lustenau am LIDL an mit 61% im Akku und einer Restreichweite von 113km. Somit hätte es gereicht bis zum 90km entfernten 80kW Lader. Trotzdem laden wir hier im Schatten und kaufen noch für das Abendessen ein. Es gibt schöne Ochsenherzen und andere Tomatensorten als in Deutschland. Nach 14 Minuten Einkauf haben wir jetzt 88% im Akku und mit 182km Reichweite kommen wir eigentlich bis nach Hause.

Schnell-Schnell-Lader

In Forrenberg probieren wir den 80kW Lader. Es hat hier 33°C und auf der Autobahn hatte es zeitweise 36°C angezeigt. Die Klimaanlage läuft und beim aussteigen schnappen wir nach Luft. Diese Autobahn-Raststätten-Lader sind nicht so idyllisch wie die ländlichen Ladestationen.

Wir stöpseln an und nach kurzer Zeit fängt sowohl die Säule als auch der Kia Soul an zu blasen. Trotz der Hitze und der Autobahnfahrt und ständigem Schnellladen einigen sich der Kia und die Säule auf 53kW Ladeleistung. Wir nehmen einen Kaffee und ein Kipferl für 16 SFr. Nicht so schlimm, wir konnten den Lader mit der Maingau-Karte starten. Als wir zurückkommen ist die Ladung schon abgeschlossen und wir hatten genau 30 Minuten Standzeit.

Jetzt fahren wir den Rest nach Hause und gönnen dem Kia Akku eine Aufladung am K.O.H.N.S mit 8A und 1.8 kW damit die Elektronen schön langsam wieder geordnet werden können.

Für die 720km sind wir 10 Stunden gefahren und hatten einen Verbrauch von 14.9kWh/100km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70km/h durch die Schweiz und Österreich.

Es war völlig problemlos und die grössten Ausgaben waren einmal Kaffee und Kipferl in der Schweiz (der Rest war bezahlbar), sowie das Parkhaus in Innsbruck. Das Fahren an sich ist sehr preiswert. Entweder es kostet nichts, oder nur ein klein wenig:

Wir haben 107kWh auf der Reise verbraucht. Selbst wenn wir das zuhause mit Wasserkraft-Naturstrom geladen hätten, wären das Kosten von 32,- Euro gewesen. Im vorherigen Diesel aus der Volkswagen-Gruppe hat uns das 90,- Euro gekostet. Es lässt sich ja nur theoretisch vergleichen, denn wir haben tatsächlich nur etwas mehr als 3,30 Euro für den Fahrstrom bezahlt.

Wir sind jetzt für die Verbrennertechnologie verloren.